Chronik

40 Jahre Stadtjugendkapelle Landsberg

 

1973 – im Anschluss an das Ruethenfest beschlossen der Stadtrat und der Vorstand der Stadtkapelle Landsberg, den bei dem historischen Kinderfest mitwirkenden Jugendlichen weiterhin das Musizieren zu ermöglichen und gleichzeitig den Nachwuchs für die Stadtkapelle sicherzustellen – die Stadtjugendkapelle Landsberg war geboren. Die Leitung übernahm Walter Edelmann, Musiklehrer an der Johann-Winklhofer-Realschule und Leiter der Stadtkapelle Buchloe. Schnell fanden sich weitere junge Leute, die Spaß am gemeinsamen Musizieren hatten und die Kapelle entwickelte sich zu einem beachtlichen Klangkörper, der bei zahlreichen Gelegenheiten sein Können präsentierte. Seit der Gründung gehören noch heute einige Auftritte zum festen Jahresprogramm der Jugendkapelle: Faschingsumzug am Lumpigen Donnerstag, Serenaden an verschiedenen Plätzen in Landsberg, Eröffnung des Christkindlmarktes sowie an Heiligabend weihnachtliche Weisen für die Bewohner des Heilig-Geist-Spitals.

 

1979 wurde die erste Uniform angeschafft: gestaltet in den Stadtfarben, rote Pullis mit je einem weißen und grünen Querstreifen und dem Stadtwappen auf der Brust.

 

Anfang Juni 1980 stand der erste Auslandsaufenthalt der Jugendkapelle an, die Reise in Landsbergs Partnerstadt Failsworth und der Austausch mit der dortigen „Newton-Heath Youth Band“.

 

An Wertungsspielen nahm das junge Orchester inzwischen regelmäßig teil und erspielte sich in Denklingen in der Mittelstufe einen „1. Rang mit Auszeichnung“. Zum zehnjährigen Bestehen 1983 wurde eine Audio-Kassette aufgenommen, die großen Anklang fand. Mit einem Festkonzert wurde das Jubiläum begangen. In dieser ersten Dekade hatte die Jugendkapelle 98 Mitglieder erlebt, 29 waren in die Stadtkapelle übergetreten und 46 Musiker spielten fest in der Jugendkapelle. Der häufige Wechsel der Musiker, die bedingt durch Lehre, Studium, Wehr- oder Zivildienst nicht mehr regelmäßig an den Proben teilnehmen konnten, führte um 1986 zu einer Krise. Mit verschiedenen Aktionen, z. B. Ausweitung des Musikschulangebots, und dank der beständigen Arbeit von Walter Edelmann und seines unermüdlichen Einsatzes gelang es immer wieder, die Fluktuation aufzufangen und den Klangkörper auf einem guten Niveau zu halten.

 

Nach siebzehn Jahren legte Walter Edelmann 1990 den Taktstock nieder und Hans-Günter Schwanzer übernahm die musikalische Leitung der Jugendkapelle. Er brachte nicht nur neuen Schwung, sondern auch viel Arbeit mit. Das Ergebnis wurde der Öffentlichkeit bei einem großen Konzert im März 1991 vorgestellt. Wertungsspiele bestritten die inzwischen 55 Musiker fortan in der Oberstufe mit großen Erfolgen. Weitere Auftritte wurden neben den bereits bestehenden zur Tradition: Christi Himmelfahrt in der „Fuchsengrube“, Stadtfest, Adventsgottesdienst in der JVA.

 

1992 (wie auch 1998) reiste die Jugendkapelle auf Einladung des Deutschen Sportbundes an die Costa Brava, umrahmte dort stattfindende Sportturniere und erkundete Barcelona und Tarragona. Im Juli 1992 konzertierte das Blasorchester auf der Landesgartenschau in Ingolstadt.

 

Unter Hans-Günter Schwanzer entwickelte sich die Kapelle weiter, inzwischen gehörten ihr 70 Musiker an und es gab eine neue Uniform, dunkelrote Westen zu weißem Hemd und schwarzer Hose. 1994 trat die Jugendkapelle bei Wertungsspielen erstmals in der Höchststufe an: die intensive Probenarbeit wurde mit einer Auszeichnung belohnt. Auch ihre erste Amerikareise unternahmen die jugendlichen Musiker im Sommer 1994 nach Hudson/Ohio, um Landsbergs neue Städtepartnerschaft zu feiern. 16 Tage lang tourte die „Landsberg Youth Band“ durch die USA und Kanada. Musikalischer Höhepunkt war das gemeinsame Konzert mit der 200-köpfigen „Hudson High School Marching Band“, bei dem Hans-Günter Schwanzer auch sein Talent als Cheerleader zur Schau stellte.

 

1995 wurden die Stadt- und die Stadtjugendkapelle nicht nur eine städtische Einrichtung, die Jugendkapelle vertrat beim 2. Deutschen Bundesmusikfest in Münster die Farben des Musikbundes von Ober- und Niederbayern sowie der Stadt Landsberg. Dort schnitt sie beim Wertungsspiel in der Höchststufe gut ab und zählt seither zu den besten Blasorchestern in Deutschland. Inzwischen wurde der bisherige Probensaal im Heizungskeller der Weststadtschule zu eng und es erfolgte der Umzug ins Dachgeschoss der Stadtbücherei.

 

Besondere Höhepunkte 1996 waren der Auftritt mit dem Profiensemble „Blechschaden“ in der Philharmonie München, das Bezirksmusikfest in der Heimatstadt und die New-York-Reise im September. Aufgrund des guten Abschneidens in Münster war die Stadtjugendkapelle zur traditionellen Steuben-Parade eingeladen worden. Als Lead-Band gestalteten die Landsberger den Festgottesdienst in der St. Patrick’s Cathedral und marschierten in der Parade direkt hinter den Elitesoldaten der West Point Academy, vor Honoratioren wie Donald Trump, Bill Clinton und Abgesandten der deutschen Regierung.

 

Beim Ruethenfest 1999 gab es eine musikalische Neuerung: eine Serenade zusammen mit dem Schülerblasorchester St. Ottilien, bei der 120 Musiker eine beeindruckende Klangwirkung auf dem abendlichen Hauptplatz entfalteten.

 

Bei den Wertungsspielen in Weilheim 2000 trat die Stadtjugendkapelle in der neu eingeführten offenen Wertung an. Musiker und Publikum erfahren dabei direkt nach dem musikalischen Vortrag die Jurybewertung. 2001 konnten sich die Landsberger beim 3. Bundesmusikfest in Friedrichshafen wieder unter den besten Orchestern Deutschlands behaupten. Im selben Jahr wurde zusammen mit dem Schülerblasorchester St. Ottilien eine CD aufgenommen, die sich größter Beliebtheit erfreute. Überhaupt hat sich zwischen den beiden Orchestern unter der Leitung von Hans-Günter Schwanzer eine rege Freundschaft entwickelt.

 

Die bei der Gründung geplante Nachwuchsfunktion der Stadtjugendkapelle für die Stadtkapelle hatte sich im Laufe der Zeit als nicht mehr umsetzbar erwiesen. Beide Orchester hatten sich parallel entwickelt, die Jugendkapelle konnte nicht mehr als Nachwuchsorgan der Stadtkapelle gelten. So wurde im Januar 2002 die organisatorische Trennung beschlossen, musikalisch sind nach wie vor einige Musiker in beiden Kapellen aktiv. Gregor Rößle und Alexander Wolf wurden als erste Geschäftsführer der Stadtjugendkapelle gewählt, um das Orchester zu managen. Alles Übrige blieb beim Alten. Das 30-jährige Bestehen der Stadtjugendkapelle wurde 2003 mit einem Galakonzert gefeiert, bei dem der Schotte Bob Ross von „Blechschaden“ als Gastdirigent den Taktstock übernahm. Dann ging es wieder auf Reisen: zum Skiwochenende ins Kaunertal und an Pfingsten nach Rom. Ein besonderes Erlebnis war der Auftritt bei der Generalaudienz von Papst Johannes Paul II. vor etwa 100000 Zuhörern.

 

2004 ging es auf einer 14-tägigen Konzertreise nicht nur zum dritten Mal nach Barcelona, Salou und an die Costa Dorada, sondern auch in Landsbergs französische Partnerstadt St. Laurent-du-Var sowie Nizza und Monaco. Außerdem zeichnete sich ein Umbruch ab, da viele altgediente und leistungstragende Musiker berufsbedingt das Orchester verlassen mussten. Trotz der Fluktuation konnte das Orchester dank der musikalischen Leistungsbereitschaft des Nachwuchses sein Niveau aufrechterhalten. Bei den Wertungsspielen auf Bezirks- und Landesebene schnitt es konsequent mit sehr guten oder sogar ausgezeichneten Erfolgen ab. 2007 stand zunächst, wie alle vier Jahre, ganz im Zeichen des Ruethenfestes im Juli und der 10-tägigen Konzertreise nach Toronto, Chicago sowie erneut nach Hudson/Ohio im August. Die 61 mitgereisten Musiker der Jugendkapelle vertieften nach 13 Jahren die deutsch-amerikanische Freundschaft bei zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten, besonderer Höhepunkt: Das Konzert auf dem Village Green war ein Quoten-Hit im Lokalfernsehen und wurde auf DVD veröffentlicht. Viele Musiker stehen noch heute in Kontakt mit den Gastfamilien, von denen einige 2009 zu einem Gegenbesuch nach Landsberg kamen.

 

In diesem Jahr reiste die Stadtjugendkapelle auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt in die Bundeshauptstadt und schnupperte eine Woche lang die „Berliner Luft“, die im folgenden Jahreskonzert dann zum Thema wurde.

 

Zum Jahreskonzert 2010 hatten die alten Uniformwesten ausgedient und die Musiker präsentierten sich in neuer, frischer Optik. Dazu wurden wieder die Stadtfarben aufgegriffen: zu schwarzem Rock/schwarzer Hose und weißer Bluse/weißem Hemd tragen sie nun dunkelgrüne Westen und ein rotes Accessoire. Der musikalische Chef Hans-Günter Schwanzer feierte in diesem Jahr sein 20. Jubiläum am Dirigentenpult und der langjährige Organisator Alexander Wolf verabschiedete sich mit einer großen Orchesterreise nach Spanien aus seinem Amt als erster Geschäftsführer.

 

Beim Ruethenfest 2011 konnte die Stadtjugendkapelle sogar erstmals zwei vollständige Kapellen für den großen Festumzug stellen.

 

Wie bekannt und beliebt die musikalischen Darbietungen der jungen Landsberger inzwischen sind, spiegelt eindrucksvoll die große Anzahl an Auftritten und Engagements wider. Zu verschiedenartigen Anlässen war die Stadtjugendkapelle musikalisch unterwegs, sei es als Marketing-Gag für ein Malerunternehmen auf einem fünfstöckigen Baugerüst, bei der Einweihung der neuen B 17 oder beim Spatenstich für ein Einkaufszentrum. Neben den wiederkehrenden Auftritten wie Jahreskonzert, Stadtfest, Landsberger Wies‘n und den Open-Air- Serenaden, ist der Terminkalender des Orchesters mittlerweile prall gefüllt mit Engagements zu allen Jahreszeiten: Neujahrempfänge, die Frühlingsausstellung einer Gärtnerei, Feuerwehrfeste, Hochzeiten, nächtliche Stadtführungen, Biergartenauftritte, Pfarrfeste, der Landsberger Eistraum, …

 

Auch das Jahr 2012 startete bereits mit vielen Terminen: Im April und Mai nahm das Orchester sowohl am Bezirksmusikfest als auch am Landesmusikfest in Weilheim teil und erspielte sich bei den Wertungsspielen in der Höchststufe jedes Mal das Prädikat „sehr guter Erfolg“. Eine Orchesterreise soll im September nach Rom gehen. Außerdem steckt der zwölfköpfige Festausschuss bereits mitten in den Vorbereitungen für das 43. Bezirksmusikfest. Das wird die Stadtjugendkapelle aus Anlass ihres 40-jährigen Bestehens 2013 in Landsberg ausrichten. 

 

Simon Geißler, 2013

 


Unsere Erfolge auf einen Blick

 

Wertungsspiele in der Oberstufe

1991      27. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Lengenfeld 1. Rang

1992      21. Bezirksmusikfest des Bezirks Schwabmünchen in Graben 1. Rang mit Belobigung

1992      37. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Unterdießen 1. Rang mit Auszeichnung

1993      22. Bezirksmusikfest des Bezirks Schwabmünchen in Klosterlechfeld 1. Rang mit Auszeichnung

1993      16. Bezirksmusikfest des Bezirks München in Grünwald 1. Rang mit Belobigung

 

Wertungsspiele in der Höchststufe

1994      1. Bezirksmusikfest des Bezirks Amper in Maisach 1. Rang mit Belobigung

1994      28. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Türkenfeld 1. Rang mit Belobigung

1995      2. Deutsches Bundesmusikfest in Münster gut

1995      29. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Penzing 1. Rang mit Belobigung

1996      30. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Landsberg 1. Rang mit Auszeichnung

1997      31. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Denklingen 1. Rang mit Belobigung

1998      40. Bezirksmusikfest des Bezirks Oberland in Weilheim 1. Rang mit Auszeichnung

1998      42. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Buchloe 1. Rang mit Auszeichnung

1998      32. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Walleshausen 1. Rang mit Belobigung

1999      33. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Türkenfeld 1. Rang mit Belobigung

2000      42. Bezirksmusikfest des Bezirks Oberland in Eglfing mit sehr gutem Erfolg

2000      34. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Dießen mit sehr gutem Erfolg

2001      3. Deutsches Bundesmusikfest in Friedrichshafen gut

2002      35. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Eresing mit sehr gutem Erfolg

2003      46. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Germaringen mit sehr gutem Erfolg (85 P.)

2004      Tag der Blasmusik in Landsberg mit gutem Erfolg (76 P.)

2004      47. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Ketterschwang mit gutem Erfolg (76 P.)

2005      36. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Lengenfeld mit ausgezeichnetem Erfolg (93 P.)

2005      10. Bayerisches Landesmusikfest in München mit sehr gutem Erfolg (83 P.)

2006      37. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Windach mit ausgezeichnetem Erfolg (92 P.)

2006      49. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Honsolgen mit ausgezeichnetem Erfolg (91 P.)

2007      50. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Unterdießen mit sehr gutem Erfolg (82 P.)

2008      51. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Stöttwang mit sehr gutem Erfolg (91 P.)

2009      39. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Reichling mit gutem Erfolg (80 P.)

2010      53. Bezirksmusikfest des Bezirks Kaufbeuren in Lindenberg mit sehr gutem Erfolg (83 P.)

2011      Wertungsspiele des Bezirks Schwabmünchen in Schwabmünchen mit gutem Erfolg (80 P.)

2012      42. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Pflugdorf-Stadl mit sehr gutem Erfolg (86 P.)

2012      11. Bayerisches Landesmusikfest in Weilheim mit sehr gutem Erfolg (83 P.)

2013      43. Bezirksmusikfest des Bezirks Lech-Ammersee in Landsberg mit sehr gutem Erfolg (90 P.)

 

mit ausgezeichnetem Erfolg      100 – 91
mit sehr gutem Erfolg 90 – 81
mit gutem Erfolg 80 – 71
mit Erfolg 70 – 61
teilgenommen 60 und weniger